Schmerzlinderung hat viele Facetten

Spezielle Schmerzmedizin

Das Konzept der multimodalen Schmerzmedizin gilt heute als die wichtigste Therapieform innerhalb der Speziellen Schmerzmedizin. Sie fußt auf der ganzheitlichen, intensiven und vor allem objektiven Behandlung von Schmerzpatienten. Ihre Wirksamkeit spiegelt sich in einem enormen Rückgang der Schmerzbelastung wider. Ein weiterer Erfolgsbeleg ist die hohe Rückkehrrate von Schmerzpatienten ins Berufsleben.

Schmerzdiagnostik

Möchte man die Einschränkung der Lendenwirbelsäulenfunktion eines Schmerzpatienten beurteilen, so ist neben dem Deutschen Schmerzfragebogen der Oswestry Disability Index (ODI) der bislang am häufigsten verwendet Fragebogen. Allerdings ist die Aussage dieses Fragebogens nur eingeschränkt verwertbar, denn er beinhaltet lediglich die Erinnerung und das Feedback des jeweiligen Patienten.

Mit dem Epionics SPINE-System ist es nun möglich, eine objektive Beurteilung der Lendenwirbelsäulenfunktion bei chronischen Rückenschmerzpatienten durchzuführen. Die Bewegungsdynamik eines Patienten wird mit einer vorgegebenen Standardchoreographie abgeglichen und innerhalb von 15 Minuten ausgewertet. Diese Messungen werden in vom behandelnden Arzt festgelegten Abständen wiederholt. So werden schmerzbedingte Funktionsstörungen objektiv erfasst und es können sofort therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden.

Der deutsche Schmerzfragebogen zur ausführlichen Erfassung aller Schmerzbereiche umfasst:

  • Lebensqualität
  • Funktionalität
  • Schmerz / Schmerzverarbeitung

Interventionelle Schmerzmedizin

Schwerpunkte der interventionellen Schmerztherapie in der Schreiber Klinik sind die Facetten- und ISG Gelenktherapie (joint pain therapy) und die Nervenwurzel- und Nervenkanaltherapie (root pain therapy) der gesamten Wirbelsäule.

Facetten- und ISG Gelenktherapie (joint pain therapy) der gesamten Wirbelsäule

Mit der Radiofrequenz Therapie  und der endoskopischen Wirbelgelenk Therapie werden schmerzführende Nervenbahnen mit gezielten, gepulsten Radiofrequenzstrom ausgeschaltet. Dabei wird ein starkes elektrisches Feld erzeugt, welches weder die Nerven schädigt, noch Wärme erzeugt.

Nervenwurzel- und Nervenkanaltherapie (root pain therapy) der gesamten Wirbelsäule

Mit einer gesteuerten PRT (periradikuläre Therapie) kann eine lokale Schmerzbehandlung ganz gezielt an der Nervenwurzel erfolgen. Hierzu wird mittels Computertomographie ein lang anhaltendes entzündungshemmendes Medikament mit einer langen dünnen Nadel in die unmittelbare Nähe des Schmerzherdes gesetzt. Das führt zur Abschwellung der Nervenwurzel und einer Reduktion des Schmerzes.

Zur Diagnose und Therapie wird eine spinale Endoskopie durchgeführt. Dabei handelt es sich um eine Spiegelung des Wirbelsäulenkanals, die unter einer lokalen Betäubung durchgeführt wird. Dabei kann vom Steißbein des Patienten bis hoch zur Halswirbelsäule mittels eines sehr dünnen Endoskops, der gesamte Wirbelsäulenkanal betrachtet werden.
Sehr schnell können so Verwachsungen, Durchblutungsstörungen, Entzündungen oder Erkrankungen erkannt werden. Zusätzlich können Gewebeproben entnommen und gezielte Schmerzbehandlungen durchgeführt werden.
Mittels Lasertechnik und mikrochirurgischen Instrumenten können beispielsweise während der Endoskopie Verwachsungen entfernt werden. Ebenso können Medikamente in einem winzigen Spezialkatheter direkt in das zu behandelnde Schmerzgebiet platziert werden.

Neuromodulation (e-Medizin)

Die Spinal Cord Stimulation (Rückenmarkstimulation)  ist eine seit langem etablierte Schmerztherapie, die seit März 2013 in der Schreiber Klinik im Bereich der Speziellen Schmerzmedizin von Dr. Richard Ibrahim angeboten wird. In der Nähe des Rückenmarks werden minimal-invasiv  kleine Elektroden platziert, die mit einem kompakten, unter der Haut implantierten akkubetriebenen Generator verbunden sind.


Multimodale Schmerztherapie

Was bedeutet multimodale Schmerztherapie?

Die Bezeichnung multimodale Schmerztherapie leitet sich ab von „viele (lateinisch: multi) Arten (lateinisch: modi) der Behandlung“. Die Therapeutenteams bestehen aus interdisziplinären Fachärzten (für Orthopädie, Innere Medizin, Psychosomatik, Spezielle Schmerzmedizin als auch physikalische und rehabilitierende Medizin) welche mit dem Patienten auf der Basis eines gemeinsamen Konzepts zusammenarbeiten.

Für den Schmerzpatienten bedeutet dies körperliches, gedankliches und verhaltensbezogenes Üben. So werden beispielsweise körperliche Übungen mit Maßnahmen aus der psychologischen Schmerztherapie kombiniert. Dabei ist wichtig, dass die Patienten Angst und Vermeidungsverhalten überwinden, etwa durch Schmerzbewältigungsstrategien, Anspannungs- und Entspannungsverfahren.

Die multimodale Schmerztherapie kann bei allen chronischen Schmerzzuständen zum Tragen kommen. Zu den häufigsten Diagnosen gehören

  • Anhaltende oder wiederkehrende Rückenschmerzen
  • Schwer behandelbare Migräne oder Spannungskopfschmerzen
  • Schmerzen des Bewegungsapparates inklusive Fibromyalgie

 

Was will die multimodale Schmerztherapie?

Zentrales Behandlungsziel der multimodalen Schmerztherapie ist eine objektiv messbare und für den Patienten spürbare Verbesserung der Schmerzen. Wir unterstützen Sie, Ihre Ressourcen optimal einzusetzen und auszubauen, um körperliche und seelische Belastungen zu reduzieren.

 

Kriterien für eine kurzstationäre Aufnahme

Für Patienten, die mindestens 3 der folgenden Kriterien erfüllen, kommt eine kurzstationäre multimodale Schmerztherapie in der Schreiber Klinik in Frage:

  • Chronische Schmerzerkrankung von mehr als 12 Wochen
  • Therapieresistenz bei ambulanter unimodaler Schmerztherapie
  • Medikamentenabhängigkeit oder -fehlgebrauch
  • Drohende oder bereits eingetretene Beeinträchtigung der Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit
  • Gravierende psychische Begleiterkrankungen
  • Psychosoziale Beeinträchtigungen
  • Gravierende somatische Begleiterkrankung


Bei der Aufnahme erfolgt eine gründliche medizinische und psychologische Untersuchung, die auch die vielfältigen Facetten des Schmerzgeschehens und deren Auswirkungen beleuchtet. Zudem werden krankengymnastische und bewegungstherapeutische Befunde erhoben. Ein multiprofessionelles (fachübergreifendes) Ärzteteam beurteilt diese Ergebnisse und bespricht sie anschließend mit dem Patienten.

 

Das Therapieprogramm umfasst dabei eine Kombination aus:

Konservativen Therapiemaßnahmen

Die konservativen Therapiemaßnahmen bei einer kurzstationären multimodalen Schmerztherapie in der Schreiber Klinik umfassen

  • Pharmakotherapie (Arznei-/ Schmerzmittel)
  • Balneotherapie (Bädertherapie)
  • Medizinische Trainingstherapie/ Physiotherapie
  • Edukative Schmerztherapie
  • Psychologische Therapie
  • Entspannungstraining


Das balneophysikalische Therapieprogramm – unter anderem mit Massagen und Wärme – lockert die Muskulatur. Diese muskuläre Entspannung trägt wesentlich zur Schmerzreduktion bei und fördert die Wirksamkeit anderer Anwendungen.

Nur durch konsequentes Training von Rücken- und Bauchmuskulatur lassen sich die im Krankheitsverlauf entstandenen Muskelungleichgewichte wieder ausbalancieren. Deshalb zeigen wir Ihnen in unserem Schmerztherapieprogramm gezielt stabilisierende Übungen, die Sie anschließend zu Hause selbständig weiterführen können und sollten.

Ein weiterer wichtiger Baustein, um Schmerzen zu lindern, ist der psychosoziale Aspekt. Im Gespräch mit unseren Spezialisten erlernen Sie Techniken der psychischen Schmerzbewältigung und Entspannung.

Interventionelle Therapiemaßnahmen der gesamten Wirbelsäule

Interventionelle Therapien greifen in das Körpergewebe ein. Zunächst werden die Schmerzregionen mithilfe von Infiltrationen (Spritzen) durch ein lokales Anästhetikum betäubt. Nachdem sich ein positiver Effekt bemerkbar macht (Schmerzfreiheit oder starke Linderung), werden diese Schmerzregionen und die zugehörigen Schmerzfasern mittels Radiofrequenztherapie langfristig moduliert. Die Verringerung dieses Schmerzes (Nozizeption) wiederum entspannt reflektorisch die Muskulatur und verbessert so das allgemeine Schmerzempfinden.

Die interventionelle Schmerztherapie eignet sich vor allem für Patienten mit

  • Facettensyndrom/ ISG-Syndrom (Iliosakralgelenk-Syndrom)
  • Nervenschmerzen/ Neuropathie/ Lumboischialgie
  • Zervikobrachialgie

 

Berufsbezogene Beratung / Sozialberatung

Das Ziel der berufsbezogenen Beratung (Sozialberatung) ist es, mit Ihnen gemeinsam Problematiken am Arbeitsplatz und im Beruf frühzeitig zu erkennen. Dann lassen sich beispielsweise weiterführende Therapien einleiten, damit Sie optimalerweise dauerhaft am Berufsleben teilhaben können.